Warum sehe ich abends schlechter als tagsüber?

Tagsüber siehst du klar, beim Autofahren am Abend wirkt plötzlich vieles unschärfer. Straßenschilder erkennst du erst aus kürzerer Entfernung, entgegenkommende Scheinwerfer blenden stärker und dunkle Konturen lassen sich schlechter unterscheiden.

Das ist kein seltenes Problem. Im Dunkeln arbeitet das Auge unter deutlich schwierigeren Bedingungen.

Im Dunkeln verändert sich das Sehen

Bei wenig Licht wird die Pupille größer, damit mehr Licht ins Auge fällt. Dadurch fallen aber auch optische Fehler stärker auf, die tagsüber kaum stören. Eine leichte Kurzsichtigkeit oder Hornhautverkrümmung macht sich dann deutlicher bemerkbar: Abends wirkt das Bild plötzlich unschärfer.

Gleichzeitig verändert sich die Arbeitsteilung auf unserer Netzhaut. Dort sitzen zwei unterschiedliche Arten von Sehzellen: Zapfen und Stäbchen. Die Zapfen sind unsere Spezialisten für Farben und feine Details. Besonders dicht sitzen sie in der Netzhautmitte – dort, wo wir etwas direkt anschauen und am schärfsten sehen.

Außerhalb dieser Mitte gibt es deutlich weniger Zapfen und mehr Stäbchen. Die kommen mit viel weniger Licht aus, liefern allerdings keine Farbinformationen und können feine Einzelheiten schlechter unterscheiden. Wenn es dunkler wird, übernehmen sie zunehmend die Arbeit.

In der Dämmerung arbeiten beide Systeme noch zusammen. Auch auf beleuchteten Straßen bleibt es ein Zusammenspiel. Die Zapfen stellen ihre Arbeit also nicht einfach ein, sobald die Sonne untergeht.

Das Auge schaltet gewissermaßen auf Nachtbetrieb: Mehr Lichtempfindlichkeit, dafür weniger Farbe und Detail. Eine dunkle Gestalt am Straßenrand nehmen wir vielleicht noch wahr. Ob sie eine blaue Jacke trägt oder was auf einem entfernten Schild steht, erkennen wir deutlich schlechter.

Vielleicht kennst du das sogar vom Sternenhimmel: Ein schwacher Stern ist manchmal besser zu sehen, wenn du knapp an ihm vorbeischaust. Dann fällt sein Bild auf einen Netzhautbereich mit mehr Stäbchen.

Beim Autofahren kommen beide Effekte zusammen: Die größere Pupille lässt optische Unschärfen stärker hervortreten, während die Netzhaut bei wenig Licht weniger Details auflösen kann. Schrift auf dunklen Schildern wird schwerer lesbar, Rücklichter können ausgefranst wirken und Lichtquellen einen störenden Hof bekommen.

Unser Auge leistet dabei eine Menge – nur dieselbe Bildqualität wie am helllichten Tag kann es nicht liefern.

Warum Scheinwerfer so stark blenden können

Je dunkler die Umgebung, desto stärker hebt sich ein heller Scheinwerfer davon ab. Wird sein Licht im Auge oder an verschmutzten beziehungsweise zerkratzten Brillengläsern gestreut, kann es sich wie ein heller Schleier über das Bild legen. Dunkle Konturen sind dann schwerer zu erkennen.

Nach einer Blendung braucht das Auge außerdem etwas Zeit, um in der dunkleren Umgebung wieder gut zu sehen. Mit zunehmendem Alter kann diese Anpassung länger dauern.

Ein Beispiel: Tagsüber stört ein feiner Kratzer auf dem Brillenglas vielleicht kaum. Nachts kann er das Licht entgegenkommender Fahrzeuge streuen und die Sicht unangenehm machen. Auch eine beschädigte Entspiegelung kann zusätzliche Reflexe verursachen.

Nicht immer liegt es nur an der Brillenstärke

Wenn du abends schlechter siehst, lohnt sich auch ein Blick auf die Brille selbst.

Sitzt sie noch richtig? Sind die Gläser stark verkratzt? Ist die Entspiegelung beschädigt?

Auch trockene Augen können abends eine Rolle spielen. Wer lange am Bildschirm arbeitet, blinzelt oft weniger oder nicht vollständig. Der Tränenfilm kann dadurch instabil werden und das Bild schwanken oder unscharf wirken. Manchmal wird es nach einem bewussten Blinzeln kurz wieder klarer.

Auch Veränderungen der Augenlinse, etwa ein beginnender Grauer Star, können das Sehen bei Dunkelheit verschlechtern und Scheinwerfer stärker blenden lassen.

Wenn die Beschwerden zunehmen oder ein Auge deutlich schlechter sieht als das andere, ist deshalb zusätzlich eine augenärztliche Untersuchung sinnvoll. Ein Sehcheck allein kann Augenerkrankungen nicht ausschließen.

Woran du merkst, dass ein Sehcheck sinnvoll ist

Wenn du beim Autofahren häufiger die Augen zusammenkneifst, Straßenschilder später erkennst oder Scheinwerfer deutlich stärker blenden als früher, solltest du deine Sehstärke überprüfen lassen.

Auch dann, wenn du tagsüber noch problemlos zurechtkommst.

Gerade kleine Veränderungen fallen oft zuerst bei Dämmerung und Dunkelheit auf. Du musst also nicht warten, bis auch tagsüber alles unscharf wird.

Wenn sich dein Sehen plötzlich deutlich verschlechtert, solltest du es umgehend augenärztlich abklären lassen.

Was kann helfen?

Manchmal helfen schon eine gründliche Reinigung der Gläser oder eine Korrektur des Brillensitzes. Hat sich die Sehstärke verändert, können entsprechend angepasste Brillengläser die Sicht verbessern.

Eine gute Entspiegelung reduziert störende Reflexe auf den Glasoberflächen. Sie ersetzt aber weder eine passende Sehstärke noch macht sie aus Dunkelheit Tageslicht.

Auch eine saubere Windschutzscheibe ist wichtig – und zwar außen und innen. Schlieren und Schmutz können das Licht zusätzlich streuen und die Blendung verstärken.

Entscheidend ist deshalb zuerst zu klären, woher die Beschwerden kommen.

Bei SehVia kannst du deine Brille prüfen und deine Sehstärke kontrollieren lassen – im Geschäft oder mobil in Leipzig und Umgebung.

Kurz zusammengefasst

Bei Dunkelheit sehen wir von Natur aus weniger Details und Farben. Zusätzlich können eine nicht mehr passende Sehstärke, verkratzte oder verschmutzte Gläser und trockene Augen die Sicht verschlechtern.

Wenn du Straßenschilder später erkennst oder dich Scheinwerfer stärker blenden als früher, lohnt sich eine Kontrolle von Brille und Sehstärke. Bei zunehmenden Beschwerden oder deutlichen Unterschieden zwischen beiden Augen gehört auch eine augenärztliche Untersuchung dazu.

Du musst dich mit schlechter Sicht am Abend nicht einfach abfinden. Erst die Ursache klären – dann gezielt etwas verbessern.

Jennifer Gruhne staatl.gepr.Augenoptikerin

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